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54 REGULA ROHLAND
Moritz und Theodor Alemann, Ansichten zweier
schweizer Auswanderer zu Siedlungsprojekten in
Argentinien
Zusammenfassung
In zahlreichen eigenen Büchern und in eigenen Texten und denen von
anderen Autoren in ihren Periodika haben die Brüder Moritz und Theodor
Alemann das Thema der Kolonisation bearbeitet. Dabei war ihr Ziel, dem
argentinischen Umfeld eine eigene demokratische und liberale Tendenz
aufzudrücken und nicht etwa, wie schon in der Forschung diskutiert, den
deutschen Imperialismus zu stärken. Diese Tendenz steht im Zusammenhang
mit der Schweizer Eigenentwicklung und der Schweizer Auffassung von
Demokratie und ihrer Werte: die Erziehung, das Gemeinschaftsleben, die
Strukturen der Öffentlichkeit, die die Schweizer gegenüber den Deutschen
kennzeichnet. Diese Auffassung vom Schweizer Wesen ist in den zwei ersten
Generationen der Alemanns in Argentinien überall spürbar, sie gehört aber
auch zu dem Ausgangsprojekt der argentinischen Kolonisationspolitik unter
dem Schlagwort Alberdis “Regieren heisst bevölkern”, deren Einladung
Johann Alemann und seine Familie in den 1870er Jahren nach Argentinien
geführt hatte.
Schlüsselwörter: Schweizer Demokratie und Liberalismus - deutscher
Imperialismus

